Montag, 17. Juni 2019

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21. Mai 2019

Forschung | Physiotherapeuten: kompetent, empathisch, unverzichtbar

Forschung | Physiotherapeuten: kompetent, empathisch, unverzichtbar

Wie anerkannt, wie wertgeschätzt, wie wichtig sind Physiotherapeuten in der heutigen Zeit? Das wollte ein Team der VPT-Berufsfachchule Bad Birnbach im Rahmen einer Projektarbeit herausfinden. Das Thema lautete: Welchen Stellenwert hat die Physiotherapie in der Gesellschaft?
Eine auszugsweise Zusammenfassung der Ergebnisse.

Die vorliegende Projektarbeit ermittelte anhand von in den Landkreisen Rottal-Inn und Passau beantworteten Fragebögen ein erfreuliches Ergebnis: Es wurde eine große Wertschätzung gegenüber Physiotherapeuten in Form von Unverzichtbarkeit, geforderter Fachkompetenz und Empathie sowie zugleich mit dem Zugestehen der Fähigkeit der Erstdiagnosestellung bestätigt. Der Stellenwert der Physiotherapie in unserer Gesellschaft ist demzufolge als sehr hoch einzuschätzen, wenngleich das Gehalt niedrig ist und die Erwartungen groß sind.
 
Material und Methoden:

In einem gemeinsam erstellten Umfrageblatt wurden verschiedenste Thematiken bzw. Gesichtspunkte, die in Zusammenhang mit dem Stellenwert des Physiotherapeuten und dem Patienten stehen, aufgeführt. In der Zeit vom 11.01.18 bis 09.08.18 wurden 235 Fragebögen in den Landkreisen Rottal-Inn und Passau verteilt (Vereine, Arztpraxen, Physio-Praxis, Nachbarschaft, Gaststätte …). Im Landkreis Rottal-Inn 114 mit einem Rücklauf von 91 und im Landkreis Passau 121 mit 64 Retouren. Bei Rückgabeschluss am 10.08.18 konnten insgesamt 156 Fragebögen registriert werden, von denen 155 ausgewertet wurden.
 
Eigenerfahrung und Stellenwert der Physiotherapie im Vergleich:

In der Fragestellung „Stellenwert der Physiotherapie in der Gesellschaft“ gab es folgende Auswahlmöglichkeiten:
1 = unverzichtbar, 2 = bedeutsam, 3 = neutral, 4 = weniger bedeutsam,  5 = absolut verzichtbar.

Von 75% der Befragten mit Eigenerfahrung gaben 43,5% „unverzichtbar“, 29% „bedeutsam“ und lediglich 2,5% „neutral“, 0% „weniger bedeutsam“ und 0% „absolut verzichtbar“ an. Als Vergleich bei Befragten mit Fremderfahrung wurde mit 7,8% „bedeutsam“ am Häufigsten gewählt, gefolgt von „unverzichtbar“ mit 3,9%, „neutral“ 1,3%, „weniger bedeutsam“ 0,65% und „absolut verzichtbar“ 0%. Befragte ohne Erfahrung gaben an: 6,5%  „bedeutsam“, 1,95% „unverzichtbar“, 2,6% „ neutral“, 0% „weniger bedeutsam“ und 0% „absolut unverzichtbar“. Von den Gesamtbefragten werden folgende Ergebnisse geliefert: „unverzichtbar“ 49,35% und „bedeutsam“ 43,5%, was in der Summe Beider 92,85% ergibt und einer Personenzahl von 143 entspricht von insgesamt 154 Befragten. 6,5% stuften den Stellenwert als „neutral“ ein und lediglich eine Person von 154 als „weniger bedeutsam“ entsprechend 0,65%.  Die Wahlmöglichkeit „absolut verzichtbar“ wurde unabhängig von der Erfahrung immer mit 0% beantwortet.

Somit zeigen sich beim Gesamtresultat und den diversen prozentualen Vergleichen eine große Wertschätzung sowie ein sehr guter Stellenwert der Physiotherapie in der Gesellschaft. Was sich ebenfalls als sehr erfreulich darstellt, ist die Wertung mit 0% „absolut verzichtbar“, was wiederum bedeutet, dass auf die Physiotherapie in der Gesellschaft nicht verzichtet werden möchte und ihr doch eine dementsprechende Bedeutsamkeit und Achtung beigemessen wird.
 
Eigenerfahrung und Erwartungshaltung der Befragten im Vergleich:
„Was erwarten Sie von einem Physiotherapeuten?“ Zu dieser Frage gab es vier Antwortmöglichkeiten, davon eine freie Antwort und drei vorgegebene – „fachliche Kompetenz“, „Einfühlungsvermögen“, „sympathische Persönlichkeit“. Mehrfachauswahl war möglich und wurde auch genutzt. 

Es ergab sich bei dem hohen Eigenerfahrungsanteil eine Antwortsumme von 279, davon wählten 40,1% „fachliche Kompetenz“, 29,8% „sympathische Persönlichkeit“ und 30,1% „Einfühlungsvermögen“. Die Befragten mit Fremderfahrung lieferten 47 Gesamtantworten, davon entfielen 40,4% auf „fachliche Kompetenz“, 34,1% auf „sympathische Persönlichkeit“ und 25,5% auf „Einfühlungsvermögen“. Die restlichen Teilnehmer ohne Erfahrung gaben 35,9% bei „fachlicher Kompetenz“, 33,3% für „sympathische Persönlichkeit“ und 30,8% bei „Einfühlungsvermögen“ an. Bei der Auswertung aller gegebenen Antworten – insgesamt 365 – unabhängig von den Erfahrungswerten der Befragten, entfielen 39,7% auf die „fachliche Kompetenz“, 30,7% auf die „sympathische Persönlichkeit“ und 29,6% auf das „Einfühlungsvermögen“.

Aus diesen mehrfach differenzierten Vergleichen ergibt sich durchweg ein Ergebnis, welches besagt, dass die fachliche Kompetenz eines Physiotherapeuten in unserer Gesellschaft oberste Priorität hat, was die Erwartung der Befragten betrifft. Dies lässt sich bei den Teilnehmern mit Eigenerfahrung und auch mit Fremderfahrung mit einem 40,1% bzw. 40,4% Anteil, also nahezu der Hälfte, deutlich verifizieren.
Was sich im Eigenerfahrungsanteil, sprich den Patienten, als sehr interessant herauskristallisiert, ist die Tatsache, dass mit nur einem geringen Unterschied von 10%, nach der fachlichen Kompetenz sofort die „sympathische Persönlichkeit“ und das „Einfühlungsvermögen“ zu relativ gleichen Teilen folgen. Daraus lässt sich schließen: Fachliche Qualität alleine reicht nicht aus. Neben den „hard skills“ (berufstypische Qualifikationen) sind ebenso die „soft skills“ (soziale Kompetenzen) gefordert. Die Persönlichkeit des Therapeuten spielt eine große Rolle, da von den Befragten die sympathische Persönlichkeit und die Empathie in hohem Maße, neben der Fachkompetenz, erwartet werden. Noch mehr bestätigt sich dies in der Gesamtbewertung.
 
Eigenerfahrung und Erstdiagnose durch Physiotherapeuten im Vergleich:
Die Wertschätzung und die Erwartungshaltung an den Therapeuten zeigt sich insgesamt als sehr hoch, besonders für die „fachliche Kompetenz“. Ob dann die Befragten dem Therapeuten eine Diagnosefähigkeit zuschreiben, wurde wie folgt beantwortet. 63% stimmten für Diagnosefähigkeit „ja“ und 37% für „nein“. Die 63% mit „ja“ wurden noch weiter befragt, ob sie zur Erstdiagnose zu einem Physiotherapeuten gehen würden. Hiervon antworteten 59% mit „ja“ und 41% mit „nein“. Die Befragten mit der Antwort „nein“ würden alle den Arzt aufsuchen und eine Person davon zusätzlich noch den Osteopathen. Auf den Heilpraktiker als weitere mögliche Antwort entfielen 0 Kreuze.
Die Ergebnisse zeigen, dass deutlich mehr als die Hälfte der Teilnehmer – unabhängig von der Erfahrung – den Physiotherapeuten für diagnosefähig halten und auch zum Erstellen der Erstdiagnose aufsuchen würden. Im Rahmen des heiß diskutierten, angestrebten Erstkontaktes („first contact“-Situation) ist das Umfrageergebnis durchaus erfreulich.
 
Gehalt und gewünschte Behandlungszeit im Vergleich:

Um Bruttoverdienst und gewünschte Behandlungszeit gegenüberzustellen, fragte der Bogen: „Welche Behandlungsdauer würden Sie sich wünschen?“ Die Einteilung der Behandlungszeiten erfolgte in vier verschiedene Auswahlmöglichkeiten mit 15, 20, 30 oder 45-60 Minuten. 53% der Befragten wünschten sich eine Behandlungsdauer von 30 Minuten, gefolgt von 36% mit 45-60 Minuten, den restlichen 11% würden 20 Minuten reichen. 0% entfielen auf 15 Minuten, diese wurden also grundsätzlich nicht angekreuzt.  Hieraus lässt sich deutlich erkennen, dass der Faktor „Zeit für den Patienten und dessen Behandlung“ eine große Relevanz darstellt. Keiner der Befragten würde eine Behandlungszeit von nur 15 Minuten wollen und lediglich 11% nehmen 20 Minuten in Kauf. Mehr als die Hälfte wünscht sich mindestens 30 Minuten behandelt zu werden und sogar mehr als ein Drittel (36%) sogar 45-60 Minuten. Insgesamt wünschen sich 89% der Befragten mindestens eine Behandlungsdauer von 30 Minuten, davon bevorzugen wiederum 41% sogar eine Therapiezeit von 45-60 Minuten.

In der Summe lässt sich feststellen, dass der Wunsch einer dementsprechend langen Behandlungszeit vorliegt, aber zugleich das dem Therapeuten zugestandene Gehalt in einem relativ niedrigen Bereich bleibt. Ein Großteil der Teilnehmer gaben zwischen 1500 und 2500 EUR an, was nicht einmal dem Deutschen Durchschnittsgehalt von knapp über 3000 EUR entspricht.

Die kompletten Projektergebnisse finden sie hier!

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